Ist Shitstorm schon etwas Normales?

Im Folgenden gehe ich auf aktuelle Beispiele für unsachlich geäußerte Behauptungen, Beleidigungen und Hass in den Medien ein und beschäftige mich mit der Frage, wie wir damit umgehen können.

Heutzutage sind wir es schon fast gewöhnt auf den gängigen sozialen Netzwerken sogenanntem Shitstorm zu begegnen. Shitstorm, das ist laut Duden ein „Sturm der Entrüstung in einem Kommunikationsmedium des Internets, der zum Teil mit beleidigenden Äußerungen einhergeht“ (Stand 16. Januar 2015).

In einigen Fällen ist es sicher angemessen Beleidigungen zu ignorieren und gegebenenfalls deren Verfasser zu blockieren. „Du bist dumm.“ oder „Du bist hässlich.“ ist für manche vielleicht noch verkraftbar. Aber Drohungen wie „Wenn ich dich sehe, schlag ich dir in die Fresse.“, „Du solltest dich erhängen.“ oder „Ich werde dich finden.“ schockieren mich sehr. Es tut mir weh, wie viel Hass Menschen entgegengebracht wird und was er womöglich bei den Betroffenen hervorrufen mag. Ich könnte mir vorstellen, dass manche darauf mit Schmerzen und Selbstzweifeln oder sogar Ängsten reagieren, nicht selten jedoch auch ebenfalls mit Hass. Wenn jemand soweit geht wiederholt Morddrohungen zu äußern und sogar persönliche Daten wie Name und Wohnort einer Person zu veröffentlichen, kann das auf jeden Fall zu berechtigten Ängsten führen.
Stell dir vor es gebe ein Video im Internet, das einen hasserfüllten Text mit Beleidigungen gegen dich enthält, in dem zudem dein vollständiger Name genannt wird. Auch ein Bild von dir würde gezeigt. Jemand, der einem ernsthaft schaden wollte, könnte solche öffentlich gemachten Informationen gefährlich gegen einen nutzen. Dieses Video hat es gegeben und ich habe es aufgrund der Verletzung von Datenschutzrechten sperren lassen.
Das Internet ist jedoch schnelllebig. Menschen mit größerer Bekanntheit werden besonders häufig Ziel solcher Hassattacken und ihnen kann es häufiger passieren, dass sie mit dem Löschen von veröffentlichten personenbezogenen Daten kaum nachkommen.
Es besorgt mich, dass Personen, die mit ihren Werken – sei es Musik, seien es Videos, ein Blog oder Artikel in einer Satirezeitschrift – an die Öffentlichkeit wollen, offenbar damit rechnen müssen, Opfer von Hass zu werden, von Drohungen, Stalking, oder gar tödlicher Gewalt wie im Fall Charlie Hebdo in Paris.

Ende 2014 veröffentlichte Simon W., bekannt als der YouTuber „Unge“, ein Video, in dem er das Einstellen seiner Kanäle und seine Unzufriedenheit mit dem Multichannel Network Mediakraft erklärte und begründete. Das Unternehmen und auch die Geschäftsführung persönlich wurde anschließend Ziel von zahlreichen Hasskommentaren, unter anderem auch von Morddrohungen.

Simon W. distanzierte sich anschließend von diesem „Hate“, wurde aber auch selbst Opfer schwerer Beschuldigungen und Beleidigungen. So veröffentlichte der Kanal Obakaclan kürzlich mehrere Videos, in denen Unge als Heuchler betitelt und ihm gedroht wurde.
Ich hatte den Kanal Obakaclan abonniert, seit ich vom Betreiber vor einigen Monaten zu einer kleinen Kollaboration eingeladen worden war und einen kurzen Clip für eins seiner Videos beigesteuert hatte. Inzwischen bin ich kein Abonnent mehr und habe für mich entschieden Kollaborationen nur noch mit Personen zu machen, mit denen und deren Inhalten ich mich vorher länger befasst habe und identifizieren kann.

Wie können wir mit Beleidigungen und Drohungen umgehen?Oft wird auf hasserfüllte Kommentare ebenfalls mit Hass reagiert. Geht man so vor, ist man in einem Teufelskreis aus Hass gefangen, den man meiner Meinung nach nur unterbrechen kann, in dem man eben nicht mehr mit Hass reagiert.

Zu verurteilen ist meiner Ansicht nach ohnehin immer nur die Tat, aber nicht die Person selbst. Jeder Mensch wurde als wertvolles Wesen geboren und niemand kann verurteilen, wie und warum sich eine Persönlichkeit auf bestimmte Weise entwickelt hat. Hass hat niemand verdient.
Alternativen sind z.B. Ignoranz, Schlichtungsversuche oder rechtliche Wege. Die Sache auf sachliche und freundliche Weise schlichten zu wollen, ist wunderbar, ich wünschte es würde immer klappen. Leider jedoch schließt sich eine Lösung auf diese Art oft schon dadurch aus, dass das Gegenüber in seinem Hass klar darauf aus ist, jemanden „fertig zu machen“ und nicht bereit ist auf eine sachliche Gesprächsebene überzugehen. Reagiert man mit Ignoranz – also gar nicht – oder sogar mit rechtlichen Mitteln, kommt es nicht selten vor, dass das Gegenüber einen daraufhin als feige bezeichnet (wie z.B. auch im Falle von Obakaclan). Davon darf man sich jedoch nicht einschüchtern lassen, denn damit hätte der Gegner einen mundtot gemacht, es geschafft einem so viel Angst zu machen, dass man sich nicht mehr traut seine Meinung zu sagen. Und das wäre fatal.
Zum einen möchte ich in keiner Welt leben, in der man Angst haben muss, für seine Meinung verfolgt oder sogar, wie bei Charlie Hebdo, ermordet zu werden, zum anderen besteht in Deutschland nach Artikel 5 des Grundgesetzes ein Recht auf Meinungsfreiheit.
Diese Meinungsfreiheit findet ihre rechtlichen Grenzen jedoch in Beleidigung, Übler Nachrede und Verleumdung, die in §185, §186 und §187 des Strafgesetzbuches beschrieben sind. Strafbar macht sich „wer in Beziehung auf einen anderen eine Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen geeignet ist“.
In jedem Falle ist es ratsam Videos mit strafbaren Inhalten auf YouTube zu melden. Das kann nicht nur die betroffene Person tun. Entsprechend der YouTube-Richtlinien kann jeder User Hass-Videos oder Videos mit z.B. pornografischen oder rechtsextremistischen Inhalten melden.

Personen, deren Persönlichkeitsrechte verletzt wurden können rechtliche Schritte im Sinne einer Strafanzeige oder einer Privatklage gehen.

by Silvester S.

Auf jeden Fall hoffe ich mit diesem Beitrag etwas dazu beitragen zu können, dass Beleidigungen und Drohungen nicht zur Normalität werden, wir nicht ebenfalls Teil des Hass-Kreislaufs werden, sondern dass wir uns unserer Rechte bewusst sind und sie wahrnehmen, standhalten und uns nicht einschüchtern lassen.

Abschließend möchte ich noch auf das Buch „Rufmord und Medienopfer“ von Christian Schertz und Thomas Schuler hinweisen. Ich betone zwar, dass ich das Buch nicht gelesen habe, zitiere aber einen interessanten Abschnitt aus dem Klappentext:

„In der modernen Mediengesellschaft können mit gezielt gestreuten Gerüchten, aufgebauschten Nebensächlichkeiten oder falschen Tatsachenbehauptungen das Ansehen eines Menschen schnell beschädigt oder gar zerstört werden. Oft erfolgen massive Eingriffe in die Privatsphäre.“ Die Betroffenen „werden zu Opfern sensationslüsterner Darstellung – teilweise mit schweren psychischen Folgen.“

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