Black Lives Matter

Als ich von George Floyds Tod erfuhr war ich schockiert. Nicht, weil ich diesen Mann kannte. Nicht weil es mich persönlich irgendwie betraf. Sondern weil ich mich in Menschen hinein versetze. Ich habe mich im ersten Moment nicht dafür entschieden. Es passiert. Ich bin empfänglich für das Leid anderer.

Umso weniger kann ich nachvollziehen, dass das anderen nicht so geht. Ich kann mir einfach nicht vorstellen gleichgültig zu bleiben, während einem Bruder oder einer Schwester Leid zugefügt wird. Und ich verwende den Begriff Geschwister nicht, wie es Menschen der selben Hautfarbe untereinander manchmal tun. Ich glaube, dass alle Menschen Geschwister sind. Ich glaube nicht, dass das Leben eines Menschen mehr wert ist als das eines anderen. Ich glaube, kein Mensch kann was dafür, dass er hier auf der Welt ist. Kein Mensch, kann sich etwas darauf einbilden, dass er persönlich es ja eigentlich ganz gut hat.

Es ist ein Universum. Ein Planet. Eine Menschheit, mit vielen, vielen einzelnen Menschen, doch wir alle stammen aus der selben Quelle, haben die selbe DNA, haben den selben Geist des Lebens. Und wir sind so bunt und vielfältig. Verschiedene Ethnien und Kulturen existieren. Wir können als privilegierte Weiße nicht so tun, als würde Rassismus nicht existieren ( „I see no color.“ „#AllLivesMatter“), nur weil wir ihn selbst nicht kennen.

Als ich von dem Vorfall gehört habe, war ich zuerst verunsichert, ob ich dazu etwas posten soll, oder ob meine Meinung als Weiße dazu überhaupt relevant ist. Ich hatte auch Schuldgefühle. Wenn ich etwas dazu poste, positioniere ich mich und dann habe ich ein Zeichen nach außen gesetzt, zu dem ich stehen muss, es müssen Taten folgen. Davor hatte ich Angst. Verantwortung zu übernehmen.

Deshalb ist es so wichtig, reflektiert zu sein. Denn genau diese Angst Verantwortung zu übernehmen hat mich wach gerüttelt. Für meine eigene Ignoranz. Konnte ich mich überhaupt dazu äußern, wenn ich selbst nicht mal Schwarze im Freundeskreis kenne, mir auf Anhieb kaum Social Media Accounts von Schwarzen einfallen, denen ich folge?

Schuldgefühle sind nicht immer von einem dysfunktionalen Elternmodus. Sie können auch vom gesunden Erwachsenenmodus in dir kommen und ich gebe zu, dass es schwer sein kann, diese beiden zu unterscheiden. Aber frage dich, welche Stimme in dir kommt vom Ego, das die eigenen Vorteile und Bequemlichkeiten priorisiert, und welche kommt aus Liebe?

Ich rede immer von Selbstliebe. Ich habe schon Gegenstimmen dazu gehört, die Selbstliebe für Egoismus halten und nur auf Nächstenliebe plädieren. Ich sage, Nächstenliebe ohne Selbstliebe ist keine Liebe (sondern auch irgendeine Bewältigungsform, die dem Ego dient). Und Selbstliebe ohne Nächstenliebe ist ebenfalls keine Liebe (sondern, du ahnst es schon, Egoismus). Warum haben wir so viel Angst uns unseren eigenen Egoismus einzugestehen? Wir alle leben täglich mit unserem Egoismus. Das ist natürlich. Aber es sollte uns bewusst sein und nicht unser Standard-Zustand bleiben.

Selbstliebe und Nächstenliebe sind dasselbe, denn mich selbst als Menschen anzunehmen und mit Liebe zu behandeln heißt auch, zu verstehen, dass jeder andere Mensch, genauso würdig dieser Liebe ist. Denn unsere Unterschiede sind nur oberflächlich. Ohne einander sind wir nichts. Wir sind viele verschiedene Wassertropfen, des selben Ozeans. Wir gehören zusammen.

Wenn ein Bruder brutal unterdrückt wird und die ganze Welt hinschaut… Wenn die ganze Welt zeitgleich hinschaut auf die systematische, jahrhundertelange Unterdrückung von Menschen, die offensichtlich bis heute anhält, dann ist es ignorant und eingebildet, wenn ich weg gucke.

Die ganze Welt schaut hin. Das sehen wir nur, wenn wir selbst auch hinschauen. Wenn wir bewusst auf YouTube und Instagram schauen, was zu den Begriffen und Hashtags geteilt wird. Nur wenn wir uns bewusst entscheiden uns zu interessieren, erfahren wir, dass es den schwarzen Geschwistern gerade verdammt wichtig ist, dass wir Weißen hinschauen uns mal mit unserer Meinung zurückhalten und zuhören! Denn ich habe keine Ahnung, wie es ist in dieser Welt schwarz zu sein.

Ja, alle Leben zählen. Ja, ich bin schon lange gegen Rassismus. Aber jetzt gerade? Jetzt gerade ist auf diesem Globus die Zeit, wo über Diskriminierung gegenüber Menschen mit dunkler Hautfarbe und/oder afrikanischer Abstammung gesprochen wird. Wo genau diese Geschwister eine Stimme haben und in der Weiße die Möglichkeit haben, diese Geschwister zu Wort kommen zu lassen.

Nur wenn wir sie anhören, wissen wir, was sie sich von uns wünschen.

Wenn du als Weißer sagst, „es gibt doch heutzutage hierzulande gar keinen Rassismus mehr. Ich persönlich habe zumindest nichts gegen Schwarze. Ich habe nie einem was getan, also trage ich auch keine Verantwortung“, dann ist genau dieses Denken Teil des Problems. Weil du als Weißer glaubst einschätzen zu können, wie es Schwarzen geht. Dabei hast du die Perspektive eines Schwarzen gar nicht. Dir fallen die ganzen Diskriminierungen im Alltag von Schwarzen nicht mal auf. Das musst du einsehen. Höre ihnen zu!

Mir fällt noch so viel ein, was ich dazu sagen könnte, aber es geht gar nicht um meine Perspektive. Es geht darum Schwarzen zuzuhören. Aber manche von euch , würden eher mir zuhören, weil sie mich ein bisschen kennen und keine Schwarzen kennen oder sich davor scheuen mit ihnen unangenehme Gespräche zu führen. Darum sage ich etwas dazu. Um euer Gehör zu finden und euch zu sagen: hört nicht auf mich, hört auf die Menschen die tatsächlich Betroffen sind, denn nur von ihnen können wir lernen, können lernen, wie sehr es uns eigentlich sehr wohl etwas angeht und welche Verantwortung wir tragen, dass unsere Privilegien keine Privilegien bleiben und jeder Mensch der Liebe gleichermaßen wert ist.

Ich sehe weiße Unternehmer fleißig weiter Marketing betreiben, weil sie das Privileg haben sich nicht betroffen zu fühlen. Ich sehe Accounts, die Pro Mensch heißen, aber zu schwarzen Menschen selbst jetzt noch schweigen. Manchmal ist es an der Zeit die eigenen Belange zu pausieren und andere sprechen zu lassen. Ich setze mich auch für gute Dinge ein, für psychische Gesundheit. Aber diese Dinge lassen sich nicht von einander trennen? Wie soll jemand psychisch gesund sein, wenn er ständig Angst und Unterdrückung ausgesetzt ist. Auch ich werde wieder meinen Geschäftigkeiten nachgehen und mich für psychische Gesundheit einsetzen. Aber jetzt gerade ist die Zeit mich zu öffnen für Menschen, deren Erfahrungen mir noch nicht so vertraut sind, denn je mehr ich lerne und verstehe, desto besser kann ich lieben und dienen, oder nicht?

Und ich sehe Menschen, die sich als spirituell verstehen und an Liebe glauben, das Thema wechseln und sagen „Ich bin da spirituell noch nicht so weit, mich solchen politischen Themen zu öffnen.“ Sie distanzieren sich weiter in ihrem Herzen vom Leid ihrer Geschwister und das hat nichts mit Liebe zu tun.

Was du tun kannst? Spenden (zb hier, aber google auch selbst nach weiteren Möglichkeiten), demonstrieren, dich informieren (z.B. auf blacklivesmatter.com), dich vor anderen Menschen aktiv gegen Rassismus positionieren, aber vor allem – und hier kannst du wenigstens einen Anfang machen – zuhören!

Hier einmal nur das mindeste: Höre zu, was Menschen mit dunkler Hautfarbe erleben. Folge ihren Accounts, lese ihre Bücher, schaue ihre Filme , unterhalte dich mit ihnen. Das ist der Anfang. Hinschauen, auch wenn es unbequem ist. Lies zum Biespiel diese Botschaft, die Cedric an Menschen mit weißer Hautfarbe richtet: fesselndefreiheit.com/dearwhitepeople

Es folgen nun einige Videos, Texte und Links, bei denen du starten kannst:

(btw: ich werde vielleicht an der ein oder anderen Stelle in diesem Beitrag problematische oder vorurteilsbehaftete Begriffe verwendet haben, ohne dass es mir bewusst ist. Wenn du als schwarze Person daran Anstoß nimmst, dann bitte ich dich mich darauf aufmerksam zu machen, damit ich lernen und es ändern kann.)

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Rebecca

Rebecca

Meine Mission ist: Forschen. Entdecken, mehr über uns Menschen, unsere Gemeinsamkeiten und Unterschiedlichkeiten, das was uns einzigartig macht und das was uns gemein ist, über Kommunikation - unsere Kommunikation. Wieso haben wir so viele Missverständnisse, wie Konflikte im Kleinen bis hin zu Kriegen? Frieden, Liebe bringen und Bewusstsein, Bewusstheit, bewusst werden von Mustern, automatisierten Abläufen. Höhere Perspektiven einnehmen. Heilen. Aufklären. Aufklären, wie es ist für Menschen, die psychisch leiden, die Gesellschaft dafür sensibilisieren. Verstehen. Liebe. Anderen Menschen Verständnis entgegenbringen. Zeigen, dass sie nicht allein sind. Sie nicht verurteilen. Wertschätzung. Authentizität. Offen sein. Transparent. Kein Verstecken. Kein Tabu. Zeigen, du bist nicht allein. Wir fühlen uns isoliert und allein. Wir fühlen uns komisch, schämen uns. Jetzt schämen wir uns nicht mehr. Es geht hier um Scham, nicht nur um allein sein. Ich kenn das ja selber. Ich fühle mich fremd. Es hat was mit fremd zu tun. Sich komisch fühlen. Sich schämen, dafür wie man ist. Teilen. Mein Leben teilen. Mein Erleben teilen. Meine Geschichte teilen. Inspirieren. Trost schenken. Wachrütteln. All das ist meine Mission.
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